Ein „neuer“ Weg der Altersvorsorge in Spanien

In Spanien wird private Altersvorsorge wenig konsequent betrieben und wenn, dann meist erst spät begonnen. Viele Spanier glauben, dass ihre Wohnung und die Familie sowie die gesetzliche Rente der Seguridad Social ihre Altersvorsorge darstellen.

Nun ist es so, dass immer mehr Wohnungen bei Rentenbeginn noch gar nicht abgezahlt sein werden, schließlich wurden die Laufzeiten der Darlehen in den vergangenen Jahren häufig erhöht, um die monatliche Belastung konstant zu halten. Andererseits funktioniert die Familie in Spanien heutzutage in vielen Fällen zwar noch gut, aber die demographische Entwicklung mit äußerst niedriger Geburtenrate sorgt dafür, dass dies in absehbarer Zukunft nicht mehr so sein wird: es gibt in vielen Fällen dann eben nur ein oder gar kein Kind, das für die Eltern sorgen könnte. Dies ist auch ein wesentlicher Grund, warum die gesetzlichen Rentenniveaus nicht haltbar sein werden.

Mit der Steuerreform zum 1.1.2007 hat der spanische Gesetzgeber einen weiteren staatlich geförderten Baustein der privaten Altersvorsorge eingeführt: die so genannten PIAS (Plan Individual de Ahorro Sistemático). Die Existenz dieser neuen Altervorsorgebausteine wurde bisher allerdings recht wenig kommuniziert. Im Frühjahr 2007 gab es kaum einen Anbieter, der schon einen PIAS anbot. In Deutschland stehen die Versicherer bei Einführung eines neuen Altersvorsorgemodells schon Monate vorher in den Startlöchern und bereiten sich auf das neue Geschäft vor. Mittlerweile bieten zwar viele Gesellschaften einen PIAS an, seine Verbreitung ist aber noch sehr gering. Das mag auch daran liegen, dass die Spanier häufig lebenslangen Renten skeptisch gegenüber stehen – sie ziehen Einmalauszahlungen vor, selbst wenn das steuerlich gegebenenfalls ungünstiger sein sollte.

Wie funktioniert der PIAS?

Der PIAS ist ein Sparplan für die Altersvorsorge (mit Garantie), der aus dem Nettoeinkommen bespart wird, die Beiträge sind also anders als beim Plan de Pensiones nicht steuerlich absetzbar. Die Erträge während der Sparphase bleiben steuerfrei, wenn die Auszahlung als lebenslange Rente erfolgt und die Laufzeit der Police länger als 10 Jahre war. Man kann regelmäßige, z.B. monatliche Einzahlungen oder auch unregelmäßige Zuzahlungen machen. Pro Jahr können maximal 8.000 Euro eingezahlt werden. Insgesamt können maximal 240.000 Euro in einen PIAS eingezahlt werden. Im Gegensatz zum Plan de Pensiones kann jede Person nur einen PIAS haben. Es können auch Mechanismen zur Hinterbliebenenversorgung mit eingebaut werden.

Die Besteuerung der Rente erfolgt in Abhängigkeit des Alters bei Rentenbeginn: zwischen Alter 60 und 65 werden z.B. 24% der Rente versteuert, bei Beginn mit Alter 70 nur noch 8%. Es wird der Steuersatz für Kapitalerträge angewendet, derzeit 21% bei zu versteuernden Kapitalerträgen bis zu 6.000 Euro. Also eine insgesamt recht geringe steuerliche Belastung der Rente.

PIAS können insbesondere dann interessant sein, wenn jemand seine Freibeträge für Planes de Pensiones schon ausgeschöpft hat (im Normalfall 10.000 Euro pro Jahr) oder wenn jemand im Ruhestand ein hohes zu versteuerndes Einkommen erwartet.

 

Philipp Dyckerhoff, Pecunia Consult

pd@pecuniaconsult.com