Mallorquinischer Konsul der USA

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Der EINZIGE nicht-amerikanische Staatsbürger, der Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika wurde, betont er. Auf Mallorca wurde Bartolomé geboren, und nicht selten sprach man Zuhause Englisch mit ihm. Sein Vater sagte immer: „Come to me, to me.“ Und aus diesem `to me´  wurde irgendwann Tummy. Zu seinem Nachnamen weiß der charmante Herr noch viel amüsantere Geschichten zu erzählen. So viele hätten seinen Namen nicht richtig aussprechen können, und nicht wenige hätten ihn daraufhin Mr. Bastard genannt, erinnert er sich mit einem Lächeln.

Seine Liebe für Amerika begann in seiner Kindheit. Er wohnte damals  in Palma, gegenüber vom Hafen, dadurch konnte er immer beobachten wann die großen Marineschiffe ankamen. Also ruderte er in seiner kleinen Nußschale hinüber zu ihnen, und die Marinesoldaten fanden Gefallen an dem ungewöhnlichen Jungen. Daher warfen sie ihm alle möglichen Schätze zu – Zigaretten, echte US-Hemden, Süßigkeiten, sogar ein Kondom. Tummy rief den Soldaten zu, sie sollten auf einen Kaffee zur Bar Ancora kommen. Hier traf er auf einige sehr interessante Amerikaner. Einer von ihnen mochte den jungen Mallorquiner so sehr, dass er ihn zu einer Weltreise einlud.

Nachdem er über Jahre  enge Verbindungen mit zahlreichen Amerikanern geknüpft hatte, leistete er im September 1962 seinen ersten Dienst für die USA. Zwei Jahre später ging er nach Washington, wo Linda Johnson ihm den Titel US-Konsul verlieh. Er unterschrieb seinen Dienst für drei Jahre, der danach verlängert wurde, und noch mal und noch mal, bis zum Jahr 2007: „Wenn die Amerikaner in deiner Vita auch nur irgendetwas Dubioses finden, dann kreuzigen sie Dich. Ich war 45 Jahre in ihrem Dienst.“

Tummy war es, der die US-Marine in jedes einzelne Dorf Mallorcas brachte.  Die Marinesoldaten haben für Mallorca Blut gespendet, haben die örtlichen Schulen angestrichen und Kirchen instand gesetzt. Tummy Bestard hat auch ein besonderes Programm zur Weihnachtszeit ins Leben gerufen: „Have a sailor at your table“, zu deutsch: Hol Dir einen Marinesoldaten an Deinen Tisch. Viele Mallorquiner haben die Fremden aufgenommen, und für viele sind daraus neue Freundschaften entstanden. Für seine Arbeit wurde Tummy Bestard die Goldmedaille der Stadt Palma de Mallorca verliehen. Hillary Clinton persönlich hielt seine Hände fest und dankte ihm für das, was er für „ihre Brüder und Schwestern getan“ hat. Tummy betont: „Ich habe vielen Menschen geholfen, und habe dafür nie etwas erwartet.“ Aber er hat es bekommen: Inzwischen hat Tummy acht Spanische und sechs US-Medaillen für seine Initiative erhalten, die – wie er es in seine Worte fasst – Mallorquiner dazu zu bringen die Amerikaner zu lieben.

Er war es, der sich um US-Gefangene im Gefängnis kümmerte, der bei Todesfällen Beistand leistete, bei notariellen Angelegenheiten und persönlichen Problemen ein Ansprechpartner war. „Wann auch immer ein US-Bürger auf der Insel ums Leben kam, egal wo auch immer er herkam, ich habe mich dafür eingesetzt dass er nicht anonym beigesetzt wurde. Ich habe immer einen Pfarrer geholt und das letzte Gebet gesprochen. Mein persönliches großes Vorbild im Leben ist Vater Juniper Serra.“ Nachdem Tummy die meiste Zeit seines Lebens den US-Bürgern und der Marine gewidmet hat, hat er den Vorsitz des Juniper Serra Museums in Petra auf Mallorca angenommen, im Herzen der Insel.

Tummy Bestard hat die Welt gesehen, aber wann immer er zurück auf seine Insel kommt und vom Flugzeug über die Serra Tramuntana fliegt, hüpft sein herz vor Freude und Glück, und zwar jedes Mal.

 

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